Arno über schwierige Anträge

Einer unserer Freunde will heiraten. Das wissen wir jetzt schon eine ganze Weile.

Warum es nicht dazu kommt? Weil er seine Angebetete noch nicht über sein Vorhaben informiert hat. Er tut sich schwer damit, seiner Freundin einen Antrag zu machen. Es muss schon etwas ausgefallenes sein, er will schließlich nicht der x. Mann sein, der seiner Liebsten einen Ring ins Weinglas legt.

Meine Frau sagt, wenn er nicht weiß, wie er ihr einen Antrag machen soll, dann ist er sich nicht sicher, ob er überhaupt will. "Er muss erstmal zu sich selbst aus tiefstem Herzen 'Ja', ich will‘ sagen, dann ist der Antrag nicht mehr schwer." Sie nun wieder. Aber nach längerem Nachdenken glaube ich, dass sie Recht hat: Da geht es nicht mehr darum, dass man das eben so macht oder dass sie es sich wünscht oder die Steuerersparnis per Ehegattensplitting. Wobei letzteres... das darf ich nicht weiter ausführen, ein energisches "Nein!", unterbricht meinen Gedankengang.

"Er soll nur auf sein Herz hören und wenn das 'Ja' gesagt hat, dann kann er sich überlegen, wie und wo er ihr den Antrag machen will.“ Für meine Frau ist das ganz einfach. Dann darf es allerdings tatsächlich etwas individuell sein. Schließlich will er sich ein 'Ja' abholen. Zum Beispiel könnte er dort hingehen, wo er die Frau seines Lebens zum ersten Mal gesehen hat. Glauben Sie mir, da wird auch eine öde Bushaltestelle zum romantischsten Ort der Welt. Oder wo gab es den ersten Kuss? Bei denen, die schon länger zusammen sind, kann ich mir auch vorstellen, dass der Antrag eine richtig sentimental journey sein darf. Aber wie, wo und mit welchen Worten ein Mann seine Liebste glücklich genug für die gewünschte Antwort machen kann, das weiß jeder sicherlich jeder selbst am besten. "Hauptsache ist sowieso, dass sie merkt, wie ernst er es meint und dass es nur die eine für ihn gibt", sagt meine Frau. Dann klappt das schon mit dem ‚'a, ich will'.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.