Coaching in allen Lebenslagen

Die Zeit der Psychotherapeuten ist vorbei, jetzt gehört Coaching zum guten Ton.

Wenn Work und Life nicht in Balance sind oder man sein "Zeitmanagement", auch Kalender genannt, nicht im Griff hat, und selbst bei Liebeskummer oder der Frage, wie man seine Ex zurück gewinnt – für alles und jedes gibt es Coaches. Es kommt ein Coach zum Schrankaufräumen ins Haus oder Führungskräfte lassen sich für viel Geld beibringen, dass sie (plötzlich?) auch der Empfangsdame einen Guten Morgen zu wünschen haben. Der neueste Trend auf dem Markt sind Urlaubsziel-Coachings, weil es wichtig ist, neben wem man am Strand liegen oder über die Berge kraxeln wird.

Bei einem Coaching geht es nicht um Defizite, sondern um Selbstoptimierung, sagt man. Wir wollen uns schließlich alle weiter entwickeln. Der eigene Coach wird zum Statussymbol. Ein Massenmarkt der Effizienz.

Wer oder was ist ein Coach? Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt und so kann jeder als solch ein Berater tätig werden. Daher gibt es auch schwarze Schafe in der Branche. Ex-Moderatoren, Ex-Leistungssportler oder Ex-Vorstände geben nach langjährigen Karrieren Hilfe zur Selbsthilfe, wobei es keine empirischen Daten über den Erfolg ihrer Arbeit gibt. Ich glaube, dass ein unprofessionelles „Du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen“ aber eher schaden und Schuldgefühle oder Depressionen hervorrufen kann. Wie soll man einen guten von einem schlechten Coach unterscheiden? Eine Reputation haben sie sicherlich alle - die entweder ehrlich verdient oder lustig selbst zusammengeschrieben ist. Meine Frau sagt: "Aber das Leben ist kompliziert, Arno, da ist es doch schön, wenn einem in all den Irrungen und Wirrungen jemand zur Seite steht!" Wie immer hat sie Recht. Ob das ein Coach sein muss, den man sich wohl am besten von einer vertrauenswürdigen Person empfehlen lässt, kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich frag ja am liebsten meine Frau.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.