Da ist sie wieder, die Übergangsjacke

Arno über die richtige Bekleidung im Frühjahr.

Vor der Übergangsjacke kommt der Frühling. 14 Grad? Endlich. Raus aus den Winterklamotten, die dicken Schals wandern in die Schublade. Meine Frau und ich bummeln am Wochenende durch die Straßen und trinken den ersten Cappuccino draußen vor unserem Lieblingscafé. Wie schön. Aber kaum sind wir dann noch weitere zehn Minuten unterwegs, wird es windig, der Himmel verdunkelt sich und es ist kalt. Ohne Sonne geht es schnell mal wieder runter auf sechs Grad, so ist das zu dieser Jahreszeit. Meine Frau in der dünnen Lederjacke, die ihr zugegebenermaßen wirklich gut steht, fängt sich bums eine fette Erkältung ein.

Mario Barth machte einmal einen wunderbaren Sketch über die Übergangsjacke, die ich meiner Frau nun wärmstens ans Herz legen wollte. Sicher, er hat recht: Eine Übergangsjacke ist nicht schick und ungefähr so sexy wie kurze Hosen auf behaarten Männerbeinen. Aber sie ist wind- und wasserdicht und bei den meisten passt in eine ihrer riesigen Innentaschen auch noch ein kleiner Knirps Regenschirm.

Meine Frau sagt: "Arno, alles, aber so ein Teil ziehe ich ganz sicher nicht an. Die Dinger sind unförmig und potthässlich. Dann schwitze ich lieber in meiner Winterjacke bis der Sommer kommt. Schnupfen? Wozu gibt es Apotheken! Mach mir einen Ingwertee."

Ich erkläre ihr, dass die Übergangsjacke ein Beststeller ist. Das habe ich recherchiert, dieses Bekleidungsstück füllt derzeit in den Kaufhäusern Ständer um Ständer. Mehr oder weniger wattiert, mit Kapuze oder Stehkragen, meist in unauffälligen Tarnfarben. Woraufhin meine Frau ruft: "Als Trägerin einer Übergangsjacke würde ich auch lieber unerkannt bleiben!"

Da ist es wieder das Frühjahr. Ich finde es toll, dass die meisten Cafés draußen Decken und dicke Kissen auf den Stühlen anbieten. Und ich werde außerdem in den nächsten Wochen noch einen warmen, großen Pullover von mir für meine Frau mitnehmen, wenn wir durch den Frühling spazieren.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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