Die Geschenkefrage

Arno über Konsumstress zu Weihnachten.

Bei uns hat die Weihnachtsplanung begonnen, bei euch auch? Es muss besprochen werden, wann wir bei wem sind, ob wir uns dieses Jahr mal aufteilen, nein, das will meine Frau auf gar keinen Fall, wann wir den Weihnachtsbaum kaufen, wie er geschmückt wird, traditionell rot-silber? Oder doch vielleicht anders? Wo ist der Weihnachtsschmuck vergraben und was kochen wir? Ich bin nach unserem ersten Weihnachtsgespräch schon erschöpft und dann kommt noch die Frage aller Fragen: "Was wünschst du dir, Arno?" Soll ich antworten, Schatz, lass uns mal nichts schenken? Vielleicht würde meine Frau mit "Ja" antworten und hinzufügen, das hätten wir schon längst tun sollen, der ganze Stress fällt weg, da können wir stattdessen glatt eine Woche Skiurlaub machen? Schöne Weihnachten muss doch nicht unbedingt mit kostspieligen Geschenken einhergehen. Realistisch betrachtet würde sie mir wohl entgegen halten: "Ich freu mich auch über etwas Kleines oder Selbstgemachtes."

Eine meiner Kolleginnen war ziemlich entsetzt, als ich ihr von meinem Vorhaben erzählte. Sie meinte, wenn ich ihr sagen würde, lass uns dies Jahr nichts schenken, das ist vernünftig, würde sie davon ausgehen, dass ich einfach keine Lust mehr hätte, mir Gedanken darüber zu machen, worüber sie sich freuen würde. Schrecklich.

"Weihnachtsgeschenke gehören dazu, Arno!", sagt meine Frau, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Man könnte das Geld auch spenden wäre noch ein gutes Argument, denke ich. Aber je länger ich überlege, desto klarer seh ich das geschenkelose Weihnachten vor mir: Spätestens Mitte Dezember bekomme ich ein schlechtes Gewissen gepaart mit der Sorge, dass ich am 24. als einziger mit leeren Händen da stehe. Und irgendwie ist Weihnachten ohne bunte Pakete unterm Tannenbaum auch trist. Und außerdem, was machen wir an den Tagen zwischen den Jahren, wenn es nichts umzutauschen gibt? Okay. Aber Basteln fällt aus!

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.