Ein Büro ist auch nur ein besseres Gefängnis

Arno über Zitate, die ganz und gar nicht lustig sind.

Kennen Sie die Büro-Sprüche, die sich in ausgedruckter Form an Pinnwänden, Aktenschränken oder Türen befinden? Ich meine so etwas wie "Arbeit macht Spaß, ich könnte stundenlang zusehen"? Besonders auffällig ist diese Dumme-Spruch-Kultur auf Ämtern.

Es blinkt Nummer 163 an der Anzeigetafel. Als durchschnittlicher Rechner überschlage ich 27 Leute vor mir und sehe mich nach Lesestoff um. Bei meinem Arzt erfahre ich da immer etwas über die Königshäuser und dass Heidi Klum gegen ihre eigenen Instagram-Regeln verstößt. Aber die zwei wackeligen Tische hier sind leer und mein Handy bleibt stumm, weil es kein Netz gibt. Dafür entdeckt mein gelangweiltes Auge ein wahres Goldnugget der Schwachsinnigkeiten: "Wer früher auf dem Schulhof petzte, setzt heute den Chef in CC".

2,5 Stunden später sitze ich an dem Schreibtisch des Sachbearbeiters und starre auf ein ehemals weißes Blatt Papier, das er direkt neben seinem Kopf mit vier Tesastreifen, für jede Ecke einen, an der abgeranzten, popelgrünen Wand befestigt hat: "Alle die schneller arbeiten als ich, verderben den Durchschnitt.“ Er folgt meinem Blick, lächelt in einer Mischung aus Stolz und Bescheidenheit und sieht mich erwartungsvoll an. Ich presse ihm ein „Wirklich witzig“ entgegen. Verdammt nochmal, ich brauche seinen Stempel. Er nickt wissend: "Schanke dön!" Soll ich jetzt jedes Sprachgefühl ignorieren und erwidern: "Schitte bön!"? Dann könnte ich ihn auch fragen, ob ihm sein Brötchen, das halb angebissen auf meinen Akten liegt, schmeckt. Ich schwöre Ihnen, ich kenne die Antwort: „Ausgebrochen gut“. Nein, das erspare ich mir. Auf dem langen Korridor, der mich wieder nach draußen führt, laufe ich einem säuberlich laminierten "Hier genügt es nicht, dumm zu sein. Man muss es auch zeigen" über den Weg. Das ist euch ausgesprochen gut gelungen denke ich und beeil mich. Ich muss jetzt dringend mit meiner Frau sprechen.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.