Geht auch kleiner leben?

Wussten Sie, dass schon Peter Lustig in einem heute sogenannten Tiny House wohnte? Der Fernsehmann erklärte den Kindern die Welt und dass es sich in seinem Bauwagen auf diesem winzig kleinen Raum sehr gut aushalten lässt.

Der Trend zum Tiny House, zu Deutsch "Minihaus", greift in Deutschland um sich. Es gibt die platzsparenden Wohnkisten bereits bei Tchibo zu kaufen, das günstigste kostet 40.000 Euro. Ein eigenes Haus, nicht zu groß, das ist perfekt für Singles oder ein Paar ohne Kinder. Wer will denn noch hundert Quadratmeter putzen, von denen man sowieso nur vierzig richtig nutzt, während sich im Rest das Gerümpel anhäuft. Außerdem werden Wohnungen immer teurer und ein Ende der hohen Mieten ist nicht abzusehen. Als Normalverdiener kann man sich das kaum noch leisten. In Berlin kosten Zweizimmerwohnungen schon mal um die 900 Euro monatlich und Drei-Zimmer-Wohnungen in München sind kaum unter 2000 Euro zu mieten. Von den Kaufpreisen will ich gar nicht reden. Sollten die Minihäuser unsere Rettung in Zeiten der unerschwinglichen Immobilienpreise sein?

Wir müssen kleiner denken und das könnte, wenn man den Anbietern glauben möchte, die Lösung sein: Das Tiny House ist mit zehn bis fünfzehn Quadratmetern etwa so groß wie Lustigs Bauwagen. Es steht auf einem Fahrgestell, so dass man per Anhängerkupplung mit seinem neuen Zuhause auch mobil sein kann. Die Wohnkiste hat eine Wohn- und Schlafmöglichkeit,  ein Bad und eine Küchennische.

Ein Dutzend Hersteller haben sich in Deutschland inzwischen auf den Bau der Miniheime spezialisiert, ich lese von Architekten, wie praktisch diese kleinen Wohnräume seien. Wenn Sie mich fragen: Außer dem Fincube, der wirklich ein  Designerhighligth ist, sehen die meisten Tiny Houses  aus wie der Schuppen bei meinen Eltern im Garten. „Dafür werden sie aus ökologischen Materialien und nachhaltig gebaut“, sagt meine Frau. Stimmt, jedoch ist mit Hanf oder Seegras kaum eine ausreichende Dämmung des Häusles zu erreichen.

Immer mehr Menschen sollen über diese Wohnalternative ernsthaft nachdenken. Ich würde es mir schon wegen der deutschen Bürokratie gut überlegen, ob ich in ein Tiny House ziehe. Wer hierzulande eine kleine Hütte nicht als Schuppen nutzen will, sondern als richtiges Zuhause, muss viele Gesetze beachten. Man braucht eine Baugenehmigung und Strom-, Wasser- und Abwasserzugänge, was sich oft als nicht ganz trivial herausstellt.

Sollten wir Großstädter denn tatsächlich bald wie Peter Lustig wohnen? Ob er jemals auf die Besenschrank große Toilette seines Tiny Houses musste? Das ist zumindest nichts für Klaustrophoben.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.