Gespräche per Messenger

Arno über den unterschiedlichen Austausch von Männern und Frauen.

Gestern Morgen erzählte eine Kollegin, dass sie von ihrem neuen Schwarm keine Nachricht mehr bekommt. "Dann ruf ihn doch an oder triff dich mit ihm", riet ich ihr. Diese Idee fand sie daneben, Flirten geht über Messenger!

Dabei gibt es offensichtlich sehr unterschiedliche Erwartungen an den Austausch über 160 Zeichen: Für Frauen ist es zum Beispiel nicht nur wichtig, was für ein Text kommt, sondern auch wann. Und vor allem, wann er antwortet, denn je länger er sich nicht zurück meldet, desto größer ihre Gewissheit, dass er sich wichtigmachen will. Das stimmt aber gar nicht, viele Männer richten ihr Handyverhalten einfach nach ihrem Tagesablauf ein. Wenn sie im Büro, in der Werkstatt oder beim Sport sind, antworten sie nicht gleich und vielleicht sogar erst am nächsten Tag.

Außerdem müssen Männer oft wirklich über ihre Antworten nachdenken, weil Frauen-Nachrichten sehr kompliziert sein können. "Hast Du heute Abend etwas Schönes vor?" könnte auch heißen, "Wollen wir beide etwas unternehmen?“. Oder "Träum was Schönes" könnte auch ein Hinweis dafür sein, dass sie die Nacht mit ihm verbringen möchte. Da muss die Antwort schon sitzen!

Frauen werfen Männern auch vor, dass sie zu kurz angebunden sind. Aber was soll man auf "Wie war dein Tag?" anderes antworten als "War gut"? Wahrscheinlich liegt hier das Problem darin, dass sich Frauen im richtigen Leben wie auch per Messenger stundenlang über Alltagsdetails unterhalten können und das nun ebenso von Männern erwarten. Sieben Nachrichten zum Thema „Wo wollen wir uns treffen?“, wie ich es neulich bei meiner Frau beobachtet habe, tauschen Männer aber nicht miteinander aus. Sie kommen zum Punkt. Wenn ich einen blöden Tag hatte, schreib ich, war blöd, ohne weiter übers Wetter oder meine Lieblingsserie zu philosophieren. Und wenn es mein bester Freund ist, der gefragt hat, setz ich hinzu, lass Bier trinken. Wo denn? Das weiß er dann schon.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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