Liebesglück im Internet

Arno über Herzschmerz und den Versuch einer Online-Heilung.

Foto: dpa

Sarah ist seit einem Jahr getrennt: "Versuch’s mal mit Online-Dating, du könntest ein bisschen Ablenkung gebrauchen", riet ich ihr, nachdem ich gelesen hatte, dass der Januar der beste Monat für die Partnersuche im Internet sei. Meine Frau sagte: "Glori hat auch gerade ihren Traummann im Netz gefunden. Komm, wir melden dich zusammen an!" Lebensphilosophie, Laster, Lieblingsessen – das Profil bei einer kostenlosen Singlebörse ist schnell angelegt.

Kaum hatten wir Sarahs Foto freigeschaltet, kamen schon die ersten Nachrichten. Ein Mann nannte sie "du süßes Überraschungsei", ein anderer nahm sie ins Verhör: "Wo wohnst du? Seit wann bist du Single?" Darauf sagte Sarah leise: "Eine gefühlte Ewigkeit, aber ich brauch immer noch Betäubungsmittel für meinen Seelenschmerz." Bei den vielen Nachrichten musste man gnadenlos selektieren. Kein Foto? Weg. Vollbart? Delete! "Dein Schnuckelhase" - ab ins virtuelle Nirvana. "Wie hast du deinen Alltag bisher ohne mich überlebt?" fragte einer. Sarah schrieb: "Ich brauchte noch keine Spenderleber!" Ein Kerl versuchte, sie mit Bildern seiner Hauskatze für sich zu gewinnen. "So ein hübsches Tier!", dachte ich. Aber Sarah ließ sich von Pfötchen nicht erweichen.

Gestern hab ich Sarah wieder getroffen: "Es gibt da bestimmt Männer, die attraktiv und lustig sind", sagte sie. Aber von denen hatte sie keinen gefunden. "Vielleicht hast du zu hohe Ansprüche?", fragte ich. "Ja", meinte sie, "zum Beispiel bevorzuge ich unverheiratete Typen, bei denen ‚untreues Arschloch‘ nicht gleich ganz oben auf dem Beipackzettel steht!" Wir mussten lachen und überlegten, was wir falsch gemacht haben könnten. Immerhin finden ja viele Menschen online ihr Liebesglück. Vielleicht hätten wir keine kostenlose Partnerbörse nehmen sollen? Vielleicht lassen es sich die, die es ernst meinen, mit der Partnersuche etwas kosten? Vielleicht ist Sarah aber auch einfach noch nicht soweit. Wir löschten ihr Profil. Meine Frau hakte noch einmal nach, ob denn wirklich so gar nichts Süßes dabei war. Woraufhin Sarah antwortete: "Doch. Eine Katze."

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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