Smombies und lauteTelefonierer

Es ist ein alltägliches Bild: Menschen, die ihr Handy umklammern, wie ein Ertrinkender das rettende Seil, oder auf ihr Handy starren, egal, wo sie sind.

An der Bushaltestelle, in der U-Bahn und beim Laufen durch die Stadt. Ich glaube, jeder 3. Passant ist ein Smombie. So werden diese Menschen genannt, das ist eine Mischung aus Smartphone und Zombie. Die Smombies ärgern mich: Erstens schließen sie durch das Starren auf ihr Handy andere Menschen aus ihrem Leben aus und zweitens gefährden sie durch ihre Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr nicht nur sich. Studien zeigen, dass durch Unachtsamkeit die meisten Unfälle verursacht werden. Autofahrer zahlen hohe Geldstrafen, wenn sie am Steuer ihr Handy auch nur anfassen. Was ist mit den Smombies und denen, die nichts mehr hören, weil sie ihre Ohrstöpsel auf laut gestellt haben?

Dazu kommt, dass wir den Telefonierern nirgendwo mehr entkommen können. Die Smombies schließen uns aus ihrer Welt aus, die Telefonierer belästigen uns überall lautstark mit ihrem Privatleben. Ich finde es aufdringlich, wenn ich im Supermarkt drei Einkaufszettel mit hören muss. Auch das undezente Klingeln von Handys sorgt bei mir für Unmut, wenn ich, wie am Wochenende, in einem Restaurant sitze und mich unterhalten möchte. Drei Mal hat es da gedudelt, und zwar so, dass wir unser Gespräch unterbrechen mussten.

Ich selbst nehme mein Handy täglich bestimmt mehr als 50 Mal in die Hand und wenn ich es mal vergesse, fahre ich zurück, weil ich ohne es nicht sein kann. Trotzdem  gehe ich meiner Umwelt gegenüber rücksichtsvoll damit um. Kein Mensch muss auf offener Stra0e in sein Handy schreien, um verstanden zu werden und man muss auch den Klingelton nicht ständig eingestellt lassen. Die Geräte haben Vibrationsalarm. Den Smombies wünsch ich ein langes Leben oder auch einmal wieder die Muße, sich ihre reale Umgebung anzuschauen, statt irgendwelche Bildchen in ihrem Phone.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.