Wie immer

Arno Müller über Weihnachtsrituale.

In fünf Tagen ist Weihnachten. Das ist nicht mehr lange hin und wie immer kommt das Fest zu plötzlich. Zu allem Überfluss fällt Heiligabend in diesem Jahr auch noch auf einen Sonntag, was für Hektiker und Hektikerinnen größere Probleme bedeutet. Sonntag sind die Läden fast alle zu.

Aber ganz gleich, ob Sie verzweifelt auf der Suche nach einem Last-Minute-Geschenk sind oder bis zur letzten Sekunde überlegen, was Sie kochen wollen. Ich habe einen wichtigen Tipp für Sie, das hab ich mir nämlich am Wochenende geschworen: Lassen Sie sich die Besinnlichkeit nicht nehmen und freuen Sie sich an dem, was die Weihnachtszeit eigentlich für Sie ausmacht.

Ich zum Bespiel liebe Rituale. Ich will wie jedes Jahr in den Keller gehen und den Baumschmuck suchen. Ich will wie üblich feststellen, dass irgendjemand die Lichterketten für die Fenster einfach in eine Tüte geschmissen hat und ich sie nun stundenlang entwirren muss. Darauf folgt die Erkenntnis, dass die Hälfte der kleinen Glühlämpchen nicht mehr leuchtet. Jetzt erst mal einen Glühwein. Ich freue mich darauf, den Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken. Natürlich passt er wie unzählige Mal zuvor nicht in den Ständer, obwohl wir so einen haben, in den alle Bäume passen sollen. Dann werden meine Frau und ich darüber diskutieren, ob elektrische oder richtige Kerzen. Es gibt neuerdings LED-Ketten, ja, auch mit warmen Licht, die habe ich gestern schon gekauft. Dennoch wird meine Frau auf echten Kerzen bestehen. Bei der Auswahl der Musik sind wir uns einig, da habe ich das Sagen, schließlich bin ich Programmdirektor eines Musiksenders und hab wie eh und je zu Weihnachten schon eine Auswahl zusammengestellt. Vorhersehbar ist auch, dass meine Frau, während ich bei geschlossener Tür meine Geschenke einpacke, mit Keksen vorbeikommt, obwohl sie mir normalerweise von Süßkram abrät. Und genauso will ich Weihnachten, genauso wie immer.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.