Wo ist das Handy?

Frauen verbringen 76 Tage ihres Lebens damit, in ihrer Handtasche zu wühlen. Sagt eine Studie. Ich weiß nicht, wie man das messen kann, aber ich glaube es. Aus Erfahrung.

Zugegeben, die Tasche meiner Frau ist auf alle Eventualitäten vorbereitet: Es gibt Desinfektionsmittel für die Toilette an der Autobahn und Bonbons für die Kinder, die wir vielleicht treffen. Eine überdimensionale Kosmetiktasche ist selbstverständlich. Sie hat immer ein Buch für unterwegs dabei, obwohl ihr beim Lesen im Auto schlecht wird. Irgendwo findet sich ein Korkenzieher und ein Teelicht fürs Hotelzimmer und ich vermute, allein wegen des Gewichts ihrer Tasche, dass sie ganz unten auch eine Bohrmaschine eingepackt hat. Es könnte ja sein, dass wir unterwegs mal schnell ein Bild aufhängen müssen.

Die Suche nach ihrem Schlüssel oder dem Portemonnaie dauert immer sehr lange. Dabei sind das die einzigen beiden Gegenstände, die sie wirklich braucht. Das sage ich ihr. Täglich. Mehrmals:  „Steck doch die Schlüssel in die Seitentasche, wo du sie schnell orten kannst!“ Noch schlimmer ist es, wenn ihr Handy klingelt, ansteigender Rufton. Bei dieser Suche habe ich sie schon fluchen hören. Meine Frau!  Die gute Erziehung in Person. Wenn sie nach dem Handy fahndet, weil sie jemanden anrufen möchte, bittet sie mich: „,Arno, ruf mich mal  an“. Das wird auch nicht besser.

Meine Frau ist in allen anderen Situationen unseres Lebens  sehr besonnen. Sie war diejenige, die unseren Sohn mit den Worten „Das kann ja mal passieren“ beruhigte, als er mit fünf aus Wut ihre Lieblingsvase runter geschmissen hat. Nur, wenn sie in ihrer Tasche kramt, wird sie ungehalten: „Was guckst du denn so!“, wirft sie mir dabei vor. Ja, was? Meistens entdecke ich ihren Schlüssel natürlich vor ihr, aus einem Meter Entfernung. Sie denkt dann ‚Klugscheißer‘, das sehe ich ihr genau an. Dabei will ich doch nur mehr Zeit mit ihr verbringen… 76 Tage…

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.