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Arno über Hass im Netz.

Verona Poth hatte Facebook verlassen, das war vor einem Jahr eine Riesenschlagzeile. Inzwischen ist sie längst nicht mehr die einzige Prominente, die den sozialen Netzwerken den Rücken gekehrt hat. Der Manager der Poth sagte, dass es zahlreiche Hasskommentare und sexuelle Anspielungen gab, zwei Mitarbeiter seien zuletzt damit beschäftigt gewesen, die härtesten Beiträge zu löschen

Mittlerweile muss man leider niemandem mehr erklären, was ein Shitstorm ist, Cyber-Mobbing wird täglich diskutiert, Hasskommentare sind an der Tagesordnung und zwar nicht nur in Promi-Accounts. Oft beginnt es mit kleinen, fiesen Kommentaren, die zunächst belanglos daher kommen. Sie beziehen sich auf die Haarfarbe, die Stimme oder die Pose in dem hochgeladenen Video oder Bild. Oft lösen sie dann aber ein Schneeballsystem aus, einer fängt an, alle machen mit. "Du nervst" ist dabei noch harmlos, aber auch das ist ja schon mal kein netter oder gar respektvoller Kommentar.

Vor dem Internet endete Mobbing, sobald man einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Situation verließ. Jetzt ist Mobbing digital rund um die Uhr möglich. Dass die Hemmschwelle dabei so gering ist, liegt zu einem großen Teil daran, dass sich die Täter hinter ihrer Anonymität verstecken können. Mithilfe gefälschter Profile oder unterdrückter Rufnummern können sie drangsalieren, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen. Das erfordert wesentlich weniger Mut, als ein Opfer direkt zu konfrontieren, und kann die vermeintliche Gewissheit vermitteln, dass sie nicht erwischt werden können. Außerdem sind die Folgen des eigenen Handelns weniger offensichtlich: Online-Mobber bekommen die Reaktionen ihrer Opfer im wirklichen Leben nicht mit und können sich so von den äußerst realen Schäden, die sie auf menschlicher Ebene hinzufügen, abkapseln. Es ist also sowohl schwerer, es zu erkennen, als auch, ihm zu entkommen – eine fatale Kombination.

Gerade macht Sängerin Lena Meyer-Landrut diese schlimme Erfahrung durch, doch sie reagiert sehr mutig: Sie hatte die Nase voll von den Sprüchen und schrieb diese kurzerhand mit schwarzen Stift auf einen Spiegel. Damit wollte sie verdeutlichten, dass die Kommentare jemanden, einen Menschen treffen, ja vielleicht sogar aus der Bahn werfen können. Tolle Ansage, finde ich. Dazu fordert sie auf: Wachstum durch Widerstand! Ruhe bewahren, Hilfe aufsuchen, niemals die Anonymen Stimmen gewinnen lassen.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

Wenn Sie oder Ihr Kind gemobbt werden, sollten Sie die zuständigen Stellen verständigen – ob Schuldirektion, Chef oder sonstige Verantwortliche. Weitere Ratschläge zu Cybermobbing finden Sie unter www.klicksafe.de

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