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Arno über wichtige Souvenirs einer Beziehung.

Neulich habe ich festgestellt, was Frauen so alles aufheben. Da kommt eine ganze Menge an verschiedenem Kram zusammen. Meine Frau Antje hat mir erst vor kurzem die erste Urlaubskarte gezeigt, die ich ihr damals geschrieben habe, als wir noch gar nicht einmal zusammen waren.

Die Karte hatte ich über die ganze Zeit schon vollkommen vergessen, als meine Frau sie aus einem alten Kästchen gezaubert hat. In diesem Kästchen lagen noch viele weitere solcher Dinge, die sie zur Erinnerung aufbewahrt hat, wie zum Beispiel kleine Erinnerungen an Momente, Urlaube und vieles Weiteres aus unserer Beziehung.

Für sie ist das ein wertvolles Erinnerungsstück an unsere ersten gemeinsamen Momente. Für mich ist das nur eine ganz normale Urlaubskarte. Ich zum Beispiel hätte die schon vor vielen Jahren entsorgt. Allerdings denke ich mir auch: so normal kann diese Postkarte ja auch nicht gewesen sein, denn immerhin war sie der Startschuss für eine inzwischen 25jährige Beziehung.

Eine Umfrage unter meinen Freunden ergab, dass viele von den Frauen genauso eine Schachtel haben, vielleicht auch eine Kiste oder ein Karton. Darin bewahren sie dann solche kleinen Erinnerungsstücke an die erste Liebe auf. Die Männer machen so etwas ja eher weniger. Der handgeschriebene Liebesbrief, die Restaurant-Rechnung vom ersten Date oder das Flugticket in den ersten gemeinsamen Liebesurlaub. All das sind Sachen, die aufbewahrt werden, um sie sich später nochmal anzuschauen. Die Kiste wird dann zum Hochzeitstag, wenn der Partner mal länger verreist ist oder auch wenn die Beziehung gerade nicht so gut läuft, wieder hervorgekramt. Solche kleinen Erinnerungen an die schönen Momente der Vergangenheit können ja auch echte Wunder bewirken.

Eine Freundin von mir hat mir neulich erst erzählt: sie hebt zum Beispiel nicht nur alle Liebesbriefe und kleinen Geschenke ihres Mannes auf, sondern auch die ihrer Ex-Freunde (ist zum Glück für ihren Mann eine eher kleine Kiste...) auch Fotos vom Valentinstags-Ausflug mit dem Ex von vor 10 Jahren, den Schnappschuss vom ersten gemeinsamen Strandurlaub, oder eine getrocknete rote Rose vom ersten, romantischen Date.

Ich bin ja ein toleranter Mensch. Aber diese Vorstellung finde ich dann doch etwas befremdlich. Ich stelle mir vor, dass in meinem Haus Erinnerungen an Verflossene gelagert werden? Also für mich wäre das ja gar nix. Mein Freundeskreis ist über diese Frage allerdings geteilter Meinung. Die einen finden ein kleines Archiv an diversen romantischer Erinnerungen völlig normal, den anderen – meistens den Männer – fällt wie mir die Vorstellung eher schwer, dass Fotos und Liebesbriefe ihrer Vorgänger im gemeinsamen Schlafzimmer-Schrank aufbewahrt werden.

Ich selbst habe eigentlich gar nichts aus früheren Beziehungen aufgehoben. Nicht mal ein Foto, keinen Brief, keine Kino-Karte, einfach nix. Ich glaube ich war da immer schon viel zu pragmatisch für sowas. Ich richte mich da einfach ganz nach dem neuen "Marie Kondo"-Aufräum-Trend und Frau Kondos Motto: "Was nicht muss, das kann weg." Meine Frau wies mich allerdings dann doch darauf hin, dass ich diverse alte Autozeitschriften schon aufbewahre. Da scheine ich dann ja vielleicht doch noch eine romantische Ader zu haben. Es ist nicht alles verloren.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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