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Arno über Venedig und Eintrittsgeld für Touristen.

Die schöne Stadt Venedig in Italien ist ein beliebtes Urlaubsziel und hat jetzt beschlossen ab Sommer dieses Jahres für Tagestouristen ein Eintrittsgeld von drei Euro zu verlangen. Wer schon einmal in Venedig war, der versteht das auch. Tausende Tagestouristen kommen unter anderem in großen Reisebussen an und besetzen regelrecht täglich die Stadt. Man kommt kaum noch durch die engen, verwinkelten Gassen und wer denkt, das ist doch gut fürs Geschäft, der irrt sich.

Die größte Zahl der Tagestouristen reisen mit großen Kreuzfahrtschiffen in denen sie "alles inclusive" gebucht haben. Wer aber den ganzen Tag mit Essen und Trinken, ohne etwas dafür extra zu bezahlen abgefüllt wird, der ist dann auch satt wenn er in der Stadt herumbummelt und muss kein Geld in den teuren Restaurants ausgeben. Zuerst ein opulentes Frühstück ganz gemütlich auf dem Schiff – schnell noch einen Snack einstecken und ein paar Wasserflaschen in der Tasche und los geht es: auf Städtetour. Am Abend, zur Essenszeit, sind diese Besucher wieder weg und schlemmen sich auf ihren Schiffen die Bäuche voll. Auch die hohen Preise der edlen und teuren Boutiquen sind nicht wirklich etwas für die Zielgruppe "All-Inclusive-Urlauber". Es gibt ja schließlich während einer Kreuzfahrt wirklich viele Gelegenheiten um einiges günstiger einzukaufen.

Was hat also die Stadt davon, außer dass sie mittlerweile aus allen Nähten platzt? Nicht viel. Geld verdient die Stadt ja schließlich mit den Touristen, die auch in den teuren Hotels wohnen, zusätzlich noch in den teuren Boutiquen shoppen und am Abend in den teuren italienischen Restaurants essen gehen und auch mal ein Glas guten Wein trinken. Inzwischen klagen auch Städte wie Barcelona, Palma de Mallorca und viele weitere europäische Kreuzfahrtziele immer lauter über ähnliche Probleme. Der Eintritt, den Venedig nun für die vielen Tagesgäste verlangen möchte, ist also durchaus nachzuvollziehen und voll verständlich. Finde ich zumindest.

Was, wenn nun andere beliebte Städte dieser Idee folgen. Wie wäre das, wenn Berlin: drei Euro Eintritt für Tagesbesucher in unserer Stadt verlangen würde? Das haben wir uns auch in der 104.6 RTL Redaktion gefragt und beschlossen – wir machen den Test. Wir haben einen Mitarbeiter in einer sehr offiziell aussehenden Uniform auf den Alexanderplatz Berlin gestellt um dort dann von den Touristen drei Euro Eintritt zu kassieren. Die Reaktionen waren entsprechend. Die meisten Touristen sind einfach weggelaufen, weil sie dachten, unser 104.6 RTL Kollege wolle ihnen was verkaufen oder andrehen. Andere Menschen wiederum haben heftig ablehnend diskutiert. Unsere Einnahmen, die wir nach mehreren Stunden gezählt haben: 1 Euro!

Ich hoffe Venedig hat sich für ihren Eintritt ein besseres System ausgedacht.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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