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Arno über die Verantwortung der Eltern.

Als unser Sohn geboren wurde, gab es Instagram und Co. noch nicht. Ich musste mich also nicht entscheiden, ob ich ein Foto oder Video von ihm auf dem Töpfchen poste oder es besser lasse. Inzwischen frage ich mich, was in Eltern vorgehen mag, die ihr Kind fünf Sekunden nach der Geburt, am besten noch klebrig vom Gebärmutterschleim, in die Kamera halten? Wissen diese Leute, was sie tun?

Kinder werden nicht gefragt, ob es ihnen recht ist und sie können sich noch nicht gegen die öffentliche Zurschaustellung wehren. In der UN-Kinderrechtskonvention steht drin, dass Kinder ein Recht auf Privatsphäre haben und besonders schutzwürdig sind. Besonders, weil sie sich selbst noch nicht schützen können. Zwar müssen Eltern ihre Kinder formal juristisch erst ab dem 14. Lebensjahr ausdrücklich fragen, aber ist denen nicht klar, was mit Kinderfotos im Internet passieren kann? Von gehackten Accounts sind nicht nur Promis betroffen. Allein ich kenne vier Frauen, deren Instagram-Accounts gehackt wurde. Spätestens ab da weiß man nicht, was sich ereignen wird und übrigens kann ein Screenshot jeder machen, wenn die Seite auf öffentlich eingerichtet ist. Dass nackte Kinderpopos für die liebenden Eltern, Omas und Tanten niedlich sind verstehe ich, aber im Netz haben nicht nur freundliche Menschen Zugriff auf die freizügigen Bilder. Es passiert nicht selten, dass sie in die falschen Hände geraten und auf Werbe- oder Pornoseiten landen.

Schlimm genug, aber viele Eltern stellen ja nicht nur Fotos ihres Nachwuchses ins Netz, sondern liefern gern noch Namen, Adresse und die persönliche Entwicklung des Kleinen dazu: Die ersten Geh- und Sprechversuche oder das Kind beim Wickeln, ach wie süß. Was soll uns das sagen? Wie toll das Kind ist oder die Eltern? Wer will hier die Aufmerksamkeit? Das Kind? Ja, es ist putzig, wenn die kleine Mia halbnackt in der Badewanne herumplantscht. Aber mir graut es, wenn ich sehe, dass Mama 947 Follower hat.

Ich habe keine Ahnung, wie die Kinder von heute das Ganze in fünfzehn Jahren beurteilen. Werden sie ihre Eltern wegen Missbrauchs in den sozialen Medien verklagen? Werden sie ihre Eltern dafür verachten, dass sie sie auf Facebook, Instagram oder Whats App der ganzen Welt präsentiert haben? Oder werden sie es ganz super finden? Wir wissen es nicht. Wie wäre es, wenn die Eltern die Privatsphäre ihrer Kinder respektieren und ihnen die Entscheidung überließen? Wenn sie ihre Babyfotos speichern und später schenken würden? Dann könnten diese Kinder selbst entscheiden, was sie damit machen wollen, ob sie ihnen zu peinlich für die Öffentlichkeit sind oder eben nicht.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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