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Arno über eine fremde Tradition.

Ich weiß, ich weiß, man soll die Feste feiern wie sie fallen, und besser mehr davon als weniger, und ich will auch nicht schon wieder meckern – aber ehrlich, Halloween? Ist das nicht irre? Kinder und Erwachsene setzen sich hässliche Masken auf und klingeln an den Türen wildfremder Menschen. Warum denn das?

Es ist bald wieder so weit: Verrückte Menschen schmeißen sich in schaurige Kostüme und feiern Halloween. Massenhaft werden Kürbisse verunstaltet und kiloweise Süßigkeiten verschenkt. Ich denke, ich werde an diesem Tag einfach durchschlafen. Denn ich habe weder Zeit noch Geld, tonnenweise Bonbons für fremde Kinder einzukaufen, die ungefragt an meiner Haustür klingeln. Außerdem finde ich "Süßes oder Saures" weder süß noch gruselig. Sowieso sind zu viel Süßigkeiten für die Kinds furchtbar ungesund.

Dann ziehen die Halloween-Fanatiker durch die Straßen und beschmieren Türklingen, werfen Eier an Hauswände und verwüsten Vorgärten. Warum? Warum werden für diesen Tag abertausende Kürbisse niedergemetzelt und ausgeschlachtet? Das ist eine irre Verschwendung, bei uns jedenfalls kommt Kürbis als Suppe ins Haus.

Wie so vieles andere ist Halloween eine Tradition, die wir von den Amerikanern geklaut haben. Vor zehn oder fünfzehn Jahren hat hier noch keiner Halloween gefeiert und jetzt tun alle so, als ob es nicht mehr ohne ginge. Ich will gar nicht wissen, was uns als nächstes erwartet. Wer an Halloween nicht betrunken im sexy Teufelchen-Kostüm auf einem Tisch tanzt, gilt automatisch als Party-Muffel. Ernsthaft jetzt? Bloß weil alle von der Brücke springen, stürze ich mich nicht auch noch runter. Und wer bitte isst schon gerne abgehackte Fingern oder eingelegte Augen? Das Essen auf Halloween-Partys ist doch wirklich nur absurd! Und nein, ich habe keine Lust, Tomatensaft aus einer Blut-Infusion zu schlürfen. Und diese Halloween-Kostüme bereiten mir schlaflose Nächte und zahlreiche Schockmomente. Wieso erschrecken sich Menschen gegenseitig absichtlich zu Tode? Aber okay, die Industrie verdient sich mit dem Halloween-Zubehör eine goldene Nase. Das versteh ich ja. Nur nach einem Tag wird dann alles wieder weggeschmissen. Und das in Zeiten von Nachhaltigkeit. Da ist Halloween wohl eher ein Musterbeispiel für die Wegwerfgesellschaft.

Dieses deutsche Halloween hat weder eine positive Botschaft noch irgendeine sinnvolle Aussage. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zum Sankt-Martins-Fest, das ja auch bald bevorsteht. Das können die Kinder doch schön feiern, da geht es um Liebe und Teilen und so. Und die Sankt-Martin-Laternen sind auch viel schöner als Spinnenweben und Möchtegern-Gruselkostüme.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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