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Arno über kalten Schnee und Besinnlichkeit.

Ich bin Wintermuffel und kann dem ersten Schnee und kalten Temperaturen überhaupt nichts abgewinnen. Nichts! Ich will Sonne. Als Kind vielleicht noch, da hieß es zum Ende des Jahres Schlitten auspacken und die Hügel runter schlittern oder Schneemann bauen. Heute merke ich von diesem Spaß keine Spur mehr. Denke ich an Schnee, sehe ich das Chaos auf den Straßen und Autobahnen vor meinem inneren Auge, das Kratzen von Autoscheiben bei klirrender Kälte und manch ungeplante Rutschpartie, weil die Gehwege mal wieder vereist sind.

Trotzdem freue ich mich auf die Jahreszeit, denn zu Hause ist es doch am schönsten oder man könnte auch sagen: Tschüss schlechtes Gewissen, weil ich stundenlang im Bett liege, meine Lieblingsserien gucke und keinen einzigen Fuß vor die Tür setze. Ich verkrieche mich im Warmen und mach es mir im Bett oder auf dem Sofa bequem. In der Adventszeit darf man das nicht nur, man soll es. Dann ist auch das scheußlichste Wetter nicht schlimm. Und damit man noch mehr davon hat, wird es draußen schön früh dunkel.

Ich bin ziemlich kitschig veranlagt. Deshalb hab ich Weihnachten und die Zeit ab jetzt wirklich gern. Ich liebe diese Gerüche, die nun überall in der Luft hängen, von Vanillekipferln, Zimt, Bratäpfeln und Tannennadeln. Selbst Schweinebraten find ich momentan gut. Ich mag Weihnachlieder und freue mich auf unseren ersten Weihnachtsmarktbesuch mit gebrannten Mandeln, Lebkuchen, Crepes und Glühwein. Der kostet sechs Euro und noch mal genauso viel Pfand, aber das ist egal, es ist Weihnachtszeit. Im Ernst, das ganze Jahr freue ich mich auf das Fest und nehme alle kitschigen Traditionen mit. Ein Adventskalender darf bei mir genauso wenig fehlen wie das gemeinsame Anschauen von Weihnachtsfilmen. Ich gucke jedes Jahr mit meiner Frau „Tatsächlich Liebe“, die Dialoge könnten wir Hugh Grant und den anderen Schauspielern inzwischen vorsprechen. Meine Frau behauptet sogar, sie hätte mich mal heimlich bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ erwischt, aber daran kann ich mich nicht erinnern. Nussknacker, Weihnachtsmänner, Glitzer, je mehr davon, desto besser! Ich glaube, das hat etwas mit kindlicher Naivität zu tun, oder? Und wie öde und düster wäre der Winter ohne Weihnachten? Wenn niemand Plätzchen backen und das Haus schmücken würde? Die Lichter in der Stadt sind angegangen. Ich summe Weihnachtslieder vor mich hin und wir verabreden uns mit Freunden zum selbst gemachten Punsch. Irgendwie wird aus Hektik Ruhe. Heiligabend feiern wir mit der ganzen Familie, beim Geschenkekauf hilft mir das Netz. Dass ich das mal sagen würde: Alles wird gut! Ich bin ein Weihnachtsfan.

Arnos Kolumne erscheint immer dienstags in der Berliner Morgenpost und auf www.morgenpost.de.

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