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Arno über den verdienten Untergang der Rollen-Klischees.

Ja, ich geb’s zu – ich shoppe gern. Klamotten, Deko, den neusten Technik-Firlefanz – es gibt nichts, das mich nicht interessiert. Ich kaufe zwar nicht viel ein, dafür aber regelmäßig und vor allem sorgfältig. Wenn ich im Laden auch nur irgendwelche Zweifel an etwas habe, kommt es mir nicht in die Tüte, im wahrsten Sinne des Wortes. Und trotzdem – wenn meine Frau und ich im Urlaub durch die Einkaufsstraßen spazieren, dann bin tatsächlich ich derjenige, der sie an jedes Schaufenster zerrt, durch jeden Laden schleppt, und der im Endeffekt den ganzen Zeitplan für den restlichen Tag durcheinanderwirbelt. Kurz gesagt: Shoppen ist mein Hobby. Und nein, es ist mir nicht unangenehm das zuzugeben. Auch wenn mir meine Freunde und Kollegen bei dem Thema jedes Mal ihr bestes Augenrollen zuwerfen. Aber warum überhaupt? Dürfen Männer in Geschäften nur schnaufen, nicht shoppen? Irgendwie scheinen wir über dieses Sparten-Denken noch nicht hinweg zu sein.

Der Mann meiner Arbeitskollegin kocht für sein Leben gern. Abend-Essen für die Familie, gegen den Stress, oder doch einfach nur, um Zeit totzuschlagen – Gemüse raus, Töpfe raus und ran an den Herd. Und da wundert sich keiner. Dank der ganzen grillenden Hensslers und Kitchen-Mälzers, sind männliche Köche so sexy wie nie. Aber wehe man trägt mal mehr Tüten als die Ehefrau aus der Boutique – dann wird einem sofort grinsend zugezwinkert. Bis sich Guido Maria Kretschmar also zur ersten Folge "Shopping KING" durchringt, haben es männliche Hobby-Shopper tatsächlich schwer in Deutschland.

Dabei sieht es bei den Hobbys der Ladies doch nicht anders aus. Wie viele Damen übernehmen zuhause mittlerweile bitte die handwerklichen Arbeiten? Zimmer tapezieren, Waschmaschine anschließen, Toilette reparieren – zu den Themen haben sich Frauen im Internet mittlerweile ganze Foren aufgebaut. Oder die Biker auf der Straße. Wie oft sehe ich, dass sich unter Motorradhelmen lange Zöpfe rauspressen, die von einem pinken Haargummi gehalten werden. Die Frau von heute, die ihre eigene Maschine in der Garage aufmöbelt? Klar – ölige Hände und raue Knie inklusive. Der Mann kümmert sich so lange um die Kids.

In vielen Beziehungen ist Schluss mit "Deine Rolle, meine Rolle" – stattdessen gilt "Jeder wie er will" – und dass es bei meiner Frau und mir genauso läuft, könnte mich nicht glücklicher machen. Nur schade, dass es bei Gesprächen darüber noch immer Reaktionen gibt, als stünde man vor einem Feuerwerk: "Ohh" – "Wow" – "Wahnsinn". Wäre tatsächlich Schluss mit den Rollen-Denken, würde bei dem Thema wahrscheinlich keiner mehr nach Luft schnappen. Aber gut – die letzten Meter zur endgültigen Partner-Gleichheit schaffen wir auch noch. Die Zielgerade ist zumindest schon erreicht – und wer weiß – vielleicht sogar mit ein paar netten Shops links und rechts. Hätte ich nichts gegen.

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