Klinsmann: Umstände «fragwürdig»

Jürgen Klinsmann zu Aus: «Fragwürdig» - Hertha und Investor suchen Antworten

Jürgen Klinsmann
Jürgen Klinsmann, Foto: Andreas Gora/dpa

Mit ernstem Blick saß Jürgen Klinsmann an einem silbernen Laptop. In einem gut 13-minütigen Monolog entschuldigte sich der frühere Bundestrainer vor einer Internet-Kamera erst bei den Fans von Hertha BSC für die Umstände seines Hauruck-Abgangs und versuchte dann mit emotionalen Worten, seinen schwer beschädigten Ruf zu retten. «Die Art und Weise ist natürlich fragwürdig», sagte Klinsmann im Videochat über den Rücktritt als Chefcoach nach nur elf Wochen. Aufgrund seiner Klage über viele «Nebenkriegsschauplätze» im Verein, der deutlichen Kritik an der Rolle von Manager Michael Preetz und seiner offenen Zukunft als Aufsichtsrat könnten die Schockwellen des Rücktritts beim Hauptstadtclub aber zu einer Zerreißprobe führen.

«Das ist allen überlassen bei der Hertha, da habe ich gar kein Problem damit», sagte Klinsmann über eine mögliche Rückkehr ins Aufsichtsgremium. «Da sollen die Leute sagen, wie sie es wünschen.» In einem Krisen-Telefonat hatten zuvor Club-Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur den Weg aus der Notlage besprochen. Dem Vernehmen nach ist auch der Geldgeber nicht begeistert über den emotionalen Abschied Klinsmanns, den er selbst als engen Vertrauten in den Aufsichtsrat berufen hatte.

Sein Abschied habe nichts mit Geld-Forderungen zu tun gehabt, betonte Klinsmann, sondern lediglich mit seinem Wunsch nach mehr Kompetenzen. «Es kann nur einer sein, der entscheidet und das ist der Trainer», sagte der 55-Jährige und meinte mit Bezug auf Sport-Geschäftsführer Preetz: «Da haben wir uns aufgerieben in vielen, vielen Nebenkriegsschauplätzen.» Ihm sei «unglaublich aufgestoßen», dass der Manager auf der Bank sitze und seine Kommentare abgebe. Vor dem Videochat hatte Klinsmann angekündigt, Fragen beantworten zu wollen, ging aber anders als in seiner Zeit als Hertha-Coach nicht konkret auf einzelne Nutzer im Netz ein.

Wer folgt dauerhaft auf Klinsmann als Chefcoach der Berliner, die sich in prekärer Lage weiter mitten im Abstiegskampf befinden? Ähnlich wie schon bei vergangenen Trainersuchen werden unter anderem Bruno Labbadia und Roger Schmidt als mögliche Kandidaten gehandelt. Nachdem der frühere Wunschkandidat Niko Kovac bereits abgewunken hatte, wollte sich Schmidt auf Anfrage nicht äußern.

Schon am Mittwoch wurden die ersten Änderungen aus elf Wochen Klinsmann bei Hertha wieder zurückgedreht. Der vom Ex-Bundestrainer geschasste Torwarttrainer Zsolt Petry stand wieder auf dem Übungsplatz. «Es war keine Katerstimmung, aber auch keine Euphorie», sagte der Ungar über die Atmosphäre im Team der Berliner. «Sie wissen, dass sie selber die Arbeit leisten müssen - unabhängig davon, wer da vorne steht.» Petry, der Klinsmanns Sohn Jonathan 2018 unter anderem für mangelnde Körpersprache als Torhüter kritisiert hatte, war vom Weltmeister 1990 aus dem Trainerteam gestrichen worden.

Bei anderen Vereinen sorgten die Ereignisse in Berlin ebenfalls für Überraschung. «Ich habe das mit etwas Verwunderung aufgenommen, weil man das nicht voraussehen konnte», sagte Sportdirektor Michael Zorc von Borussia Dortmund. Die Aufarbeitung des Klinsmann-Bebens wird auch bei der Konkurrenz genau beobachtet werden. (dpa)

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